Urlaub mit Folgen - Teil 26

Veröffentlicht auf von Ghost

„Yusuf ich glaube, wir müssen so langsam wieder fahren. Dein Dienst beginnt in einer Stunde.“, sagt Doreen.

Nach einem Blick auf die Uhr nickt Yusuf und gibt ihr einen Kuss vor der gesamten Familie. Der Vater lächelt ihr zu. Auch die Oma fängt plötzlich schallend an zu lachen. Doreen kommt sich veralbert vor und wirft Yusuf einen flehenden Blick zu. Dieser hat verstanden und verabschiedet sich. Auch Doreen gibt jedem die Hand.

„Du warst ihnen sympathisch.“, sagt Yusuf, als sie wieder vor der Tür sind.

„Da bin ich aber beruhigt.“, sagt Doreen nur.

Im Hotel bekommt Doreen noch einen langen Kuss und dann geht sich Yusuf für seinen Dienst fertig machen. Doreen bleibt allein zurück und holt sich den Zimmerschlüssel.

Im Zimmer setzt sie sich auf ihr Bett und denkt nach. Sie fragt sich, was da in der Familie alles beredet wurde. Um ihr Herz etwas zu erleichtern, schreibt sie in ihr Tagebuch:

 

Auf was habe ich mich da nur eingelassen? Heute hat mich Yusuf doch wirklich seinen Herrschaften vorgestellt. Sie waren ja sehr symphatisch, haben aber kein Wort deutsch geredet. Ich habe da lediglich gesessen und an meinem Tee genippt. Zum Schluss hat mich Yusuf doch wirklich vor denen allen geküsst. Alle haben gelacht. Man kam ich mir dämlich vor. Wenn ich doch nur wüsste, was sie geredet haben. Ich werde Yusuf heute Abend fragen müssen.“

 

Nachdem sie fertig ist, versteckt sie das Tagebuch sorgfältig und beginnt die Tasche für die Abreise zu packen. Sie tut alles rein, bis auf die nötigsten Sachen. Dann macht sie sich fertig, um Abendbrot zu essen.

Nach dem Essen sitzt sie wieder mit Marika an der Bar. Doreen erzählt, in was für eine Situation sie Yusuf gebracht hat.

Marika erzählt, was Alex und sie am Nachmittag gemacht haben.

Doreen sagt dazu nur: „Hast du´s gut. Am Strand liegen und schlafen ist zehn mal besser als irgendwelchen Leuten einen Besuch abzustatten. Wenn ich doch nur wüsste, wie ich ihm das heimzahlen kann.“

„Das tust du bereits.“, antwortet Marika.

„Was meinst du?“ fragt Doreen.

Marika klärt sie auf: „Du zahlst es ihm bereits heim. Kuck doch mal unauffällig zu ihm rüber. Der ist doch völlig durch den Wind. Er hat vorhin voller Sehnsucht auf dich gewartet. Und jetzt, wo du endlich an der Bar sitzt, würdigst du ihn keines Blickes. Also pass auf. Ich habe einen Plan. Wenn er fragt, ob ihr euch treffen könnt, antworte mit ja. Wenn ihr dann zusammen seid, behandle ihn kühl und abweisend. Damit machst du ihn weich wie warme Butter.

Es kommt genau so, wie es Marika gesagt hat. Yusuf will sich mit Doreen treffen und sie ist dann abweisend und fremd. Sie laufen nebeneinander her und berühren sich nicht.

„Bist du mir böse?“ fragt Yusuf.

Doreen sagt nur: „Allerdings.“

Im geheimen freut sie sich, dass sie es geschafft hat.

„Bitte verzeihe mir. Ich tue das nie wieder. Aber Oma wollt dich kennen lernen. Und die türkische Sitte ist, was Oma sagt, das muss gemacht werden.“

Doreen reagiert nicht. Sie will ihn noch etwas zappeln lassen. Aber in ihr steigt ein fast unstillbares Verlangen nach ihm auf. Es kommt genau so, wie es sich Doreen ausgemalt hat: „Bitte Doreen, ich liebe dich. Die Tatsache, dass du hier arbeiten wirst, hat meine Liebe nur noch größer werden lassen.“ Er fällt vor ihr auf die Knie. „Bitte verzeihe mir. Ich tue so was auch nie wieder.“

„Dazu wirst du auch keine Gelegenheit mehr haben.“, antwortet Doreen kalt.

Yusuf wird immer unruhiger. „Bitte Doreen. Das kannst du mir nicht antun. Ich weiß, dass du mich noch liebst. Du trägst das Zeichen meiner Lieben, den Ring, an deinem Finger.“

Jetzt hält es auch Doreen nicht länger aus. „Es sei dir verziehen.“, sagt sie nur und gibt ihm einen langen Kuss.

„Ist jetzt alles wieder gut?“ fragt Yusuf.

„Wenn du mir sagst, über was oder wen heute geredet wurde, ist alles wieder beim Alten.“

Yusuf nimmt sie in den Arm und führt sie an den Steinstrand. Zwischen all den Steinen, verborgen hinter hohem Gras ist ein kleiner Fleck Sandstrand. „Mein Lieblingsplatz.“, sagt Yusuf und führt sie hin.

Sie unterhalten sich lang, über was er heute mit den Eltern geredet hat. Und Doreen muss sehr viel lachen. Es stellt sich heraus, dass sie gar nicht über Doreen, sondern über die Streiche von Yusufs kleinen Geschwistern geredet haben.

Der Abend wird noch sehr romantisch. Über ihnen ist ein klarer Sternenhimmel. Hinter ihnen rauscht das Gras im seichten Wind und die Grillen zirpen. Vor ihnen rauscht das Wasser und der Vollmond spiegelt sich im Meer. Keine Menschenseele ist in der Nähe und alles ist in Mondlicht getaucht.

„Ich liebe dich.“, flüstert Yusuf Doreen ins Ohr.

„Ich liebe dich auch.“, antwortet Doreen.

Nach einer kleinen Pause, in der beide schweigen, sagt Doreen noch:

„Yusuf ich will…“

Weiter kommt sie nicht. Yusuf hat genau verstanden, was Doreen will. Auch sein Traum wird nun war als beide beginnen, den Körper des anderen mit Hand und Zunge zu erkunden. Es ist fast so, als wollten Sie ihre Liebe auf Vorrat bunkern für die bevorstehende Trennung.

 

Später im Zimmer schreibt Doreen in ihr Tagebuch. „

 

Jetzt weiß ich, worauf ich mich eingelassen habe. Auf eine große und ehrlich gemeinte Liebe. Heute Nachmittag haben sie nicht über mich geredet und gelacht. Dafür habe ich umso mehr gelacht, als mir Yusuf alles erzählt hat.

Später wurde es sehr romantisch. Wir waren an einem verlassenen Fleckchen Strand. Wie extra für uns geschaffen. Man kam sich vor, wie im Paradies. Aber da war ich heute auch. Er war richtig lieb und vorsichtig mit mir. Die ganzen Horrorgeschichten stimmen also nicht. Man sollte so eine Panikmache verbieten.

Heute Abend habe ich mich eine zweites Mal in Yusuf verliebt.

Ich weiß wo meine Zukunft liegt. In einem Land, wo mich keine meiner Allergien plagt. In der Türkei an der Seite eines türkischen Mannes. Ich liebe ihn und dieses Land.

 

Glücklich lächelnd liegt sie im Bett. Sie lässt den Urlaub vor ihrem geistigen Auge ablaufen. Auf diese Weise schafft sie es auch einmal einzuschlafen.

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