Horrorvisionen
Es ist soweit! Mein vierbeiniger Liebling hat seinen großen Tag. Gestern schon sind wir in der Klinik angekommen. Vier stunden waren wir unterwegs. Und das nur, weil der Hund einen Herzfehler hat.
"Der Hund muss operiert werden.", liegt mir der Tierarzt in den Ohren.
Der hat gut reden. Für den Hund habe ich fünf Jahre gespart und die OP kostet noch einmal soviel.
Wie ich es geschafft habe, kann ich nicht sagen. Das Geld liegt im Zimmersafe gut verschlossen, während ich auf den Arzt warte. Totenstille auf dem Gang. NIcht ein Laut. Quälend langsam verstreicht die Zeit. Keiner kommt und keiner geht. Man kommt sich wie in einem Geisterhaus vor.
Dann endlich ich kann zum Doc. Er hat meinen Liebling auf dem Arm. Natürlich will der sofort zu mir. Der Arzt lässt uns die Zeit für eine ausgedehnte Begüßung.
"Die OP ist erst in drei Stunden. Sie können gern noch einmal Gassi gehen. Aber in einer Stunde sind Sie bitte wieder da. Dann beginnen die Vorbereitungen."
Ich bedanke mich kleinlaut. Könnte es doch unser letzter Ausflug sein. Nicht auszudenken.... Das kann nicht sein, weil nicht seinkann, was nicht sein darf.
Wir verlassen die Klinik. Ziellos irren wir gemeinsam durch die Gegend. Die historischen Gebäude interessieren mich nicht. Ich sehe nur meinen kleinenLiebling. Er schnüffelt fröhlich umher. Die qualvollen Untersuchungen vom Vortag hat er vergessen. Wie schnell da ging. Und er ist nicht böse. Ich habe ihm das dochalles eingebrockt. Nein, er tut als wäre nichts. Dauernd sieht er zurück und wartet auf seine Übungen. Heute nicht. Es könnte doch sein letzter Tag sein. Den will ich ihn nicht mit diesen unsinnigen Dingen versauen.
In der Klinik neme sie mir meinen Liebling ab. Ich kann in acht Stunden wieder anrufen und mich nach seinem Befinden erkundigen. - Acht Stunden? Wie soll ich das aushalten? -
Ich sitze in einem Kaffee. Ein Stück Torte steht vo rmir. Essen kann ich es nicht. Der Gedanke, dass die meinen Liebling gerade am Herzen herumfriemeln macht mich fertig. Ich werde immer bedrückter.
`Hoffentlich geht das gut. Fünf Prozent Sterberate. Was wenn ausgerechnet mein Hund einer von diesen fünf Prozent ist?´
Die Entscheidung hat uns meine Mutter abgenommen. Sie wollte ihn nicht verlieren. Und dann die Bestechung mit dem Geld. Sie hat noch immer Macht über mich. - So meine Erkenntnisse.
Mein Schatz bekam keinen Urlaub. Ich muss allein hier durch. Habe auch die Kraft nicht ihn anzurufen. Er kann ja doch nichts machen. Ich muss nun einmal warten.
Es beginnt zu regnen. Als ich es bemerke, beschleicht mich eine böse Vorahnung. Ein Stück in meinem Herzen bringt mir Gewissheit. Ich weiß es nicht genau, aber ich fahre ins Hotel undpacke meine Sachen. Völlig ruhig nehme ich ab, als das Telefon klingelt. Es ist der Professort. Leist ist seine Stimme geworfen. Er faselt Entschuldigungen. Er könne sich das auch nicht erklären...
Mein Liebling ist tot. Er wird mich nie mehr begrüßen. Wieder allein, wenn mein Mann auf Arbeit ist.
Das leblose Bündel auf dem Rücksitz macht mich traurig. Ich konnte ihn nicht dort lassen. An seinem Lieblingsplatz soll er begraben liegen. Dort, wo er die Morgensonne abbekommen kann. So wie er es gewohnt ist ...
Er wurde nicht einmal ein Jahr...
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